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Editorial: Zum Sinn und Unsinn des OLPC (Teil 1)
oder warum nicht jedes Kind einen Laptop braucht
von patrick.h   21.01.2007


"One Laptop per Child" ist eine Initiative die ins Leben gerufen wurde von Nicholas Negroponte, dem Chef des MediaLab am MIT (Massachusets Institute for Technology). Ziel der Initiative ist es Laptops für einen Preis von ca. 100USD herzustellen. Diese sollen in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen und die Schulbildung revolutionieren. Das Gerät soll nicht auf dem Freien Markt erhältlich sein, sondern direkt an die Regierungen der betroffenen Länder verkauft werden. Produziert werden die Laptops von dem taiwanischen Unternehmen Quanta Computer Inc. Bei Quanta handelt es sich um einen der größten Notebook Hersteller weltweit mit zahlreichen namhaften Kunden wie z.b Dell, HP, Acer, IBM/Lenovo, Sony, Toshiba oder Apple. Nach eigener Aussage werden von Quanta Computer Inc 30% aller Verkauften Laptops hergestellt. Nach neusten Meldungen bewegen sich die Kosten eher um 140USD.

 

 

 

 

 

 



Technik






Im Vergleich mit üblichen Laptops kann das OLPC (One Laptop Per Child) Modell bei Betrachtung der Leistung nicht mithalten. Bei dem angestrebten Preis durchaus verständlich. Es soll jedoch alles außer das Speichern großer Daten laut OLPC möglich sein. Die ersten 800 zu Testzwecken von Quanta hergestellten Modelle sind mit einem 366Mhz schnellen Amd Geode Prozessor (GX-500@1.0W) 128MB DDR266 Arbeitsspeicher, 512MB Flash Speicher als Festplatten Ersatz, sowie WLAN (802.11b/g) und drei USB-Anschlüssen ausgestattet. Bei dem Display handelt es sich um Dual-Mode Display, welches als Voll-Farb und als Graustufen Display Arbeiten kann. Dabei ist die Auflösung im Graustufenmodus höher. Durch die Sonnenlicht Reflektion im Graustufen-Modus ist es auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Bei einer Diagonalen von 7,5" bietet das Display im S/W – Modus eine Auflösung von 1200x900px (200dpi). Das Display, welches bei vielen Geräten ein großer Kosten Faktor kostet nur 35$. Angesteuert wird das Display von dem im Geode Prozessor integrierten Grafik Controller. Als kleines Gadget ist eine Webcam mit einer Auflösung von 640x480 integriert, sodass auch Videotelefonie möglich ist. Das Gewicht liegt bei absolut alltagstauglichen 1,5Kg, welche von den meisten europäischen Schultaschen locker getoppt werden. Auch beim Gehäuse wurde erfreulicherweise an den Schüleralltag, der wohl weltweit den Arbeitsmaterialien mehr abverlangt als die Businessnutzung gedacht. Statt auf das teilweise doch etwas lorkige aber leider übliche 1,3mm starke Gehäuse zu setzten wird beim OLPC 2mm dickes Material verwendet. Wie schon beim Display wurde auch beim Akku auf eine Kosten optimierte aber trotzdem sehr praktikable Lösung gesetzt. Im Gegensatz zu modernen stromfressenden Laptops, welche hochkapazitative aber nicht ganz ungefährliche Li-Ion Akkus der neusten Generation benötigen, setzt man bei OLPC auf die ältere Generation die bis vor 3 Jahren noch üblich war. Beim Akku handelt es sich um eine Reihenschaltung von 5 Zellen, die so 6V Spannung ergeben. Das hat den großen Vorteil, dass man für einen Ersatz-Akku nicht die heute üblichen 100 EUR zahlen muss sondern mit etwas Bastelfreude 5 einfach NiMH, welche in jedem Technik Markt erhältlich sind, verwenden kann. Der Akku kommt so auf eine Kapazität von 22,8Wh was ungefähr 35-50% der Leistung handelsüblicher (normalen Notebook-) Akkus entspricht. Bei der verbauten Hardware sollte damit eine respektable Laufzeit zu erzielen sein.

Eigentlich könnte man auch von einem Tablet PC sprechen, denn der Bildschirm lässt sich um 180° gedreht zuklappen, sodass der OLPC sich im sog. Ebook-Mode befindet. Doch damit ist das Ende der Exklusivitäten noch nicht erreicht! Der OLPC verfügt über die Fähigkeit, mit anderen Geräten dieser Art ein WLAN-Mesh-Netz aufzubauen. Dadurch verringert sich die Dichte der nötigen Internet-Infrastruktur erheblich und es können sich leicht vernetzte Grüppchen zusammen finden. Auch die Bedienung ist anders gelöst. Statt nur ein Touchpad gibt es hier gleich drei davon. Sie erstrecken sich über den gesamten Bereich vor der Tastatur. Das mittlere wird beschrieben als ein Extra-Wide Dual-Sensor Touchpad beschrieben, während die anderen sog. Cursor Control Pad sind. Auf dem mittleren lässt sich auch ein Stift/Stylus benutzen. Hiermit wird die speziell von Red-Hat entwickelte, gerade fertiggestellt grafische Oberfläche namens "Sugar" bedient. Dieser Laptop ist also definitiv nicht mit einem altem Pentium II Gerät zu Vergleichen.

 

 


Ziele



Das Hauptziel der Initiative ist es die Bildungssituation in Entwicklungsländern zu verbessern. Negroponte sagt er hätte bei seiner Arbeit mit Schulen in Senegal, in Costa Rica, Indien und anderen Ländern herausgefunden, dass die Kinder dort Laptops bräuchten: "Auch in den Entwicklungsländern brauchen die Kinder ihre Rechner wie Fische das Wasser." Ziel ist es nun jedes dieser Kinder mit einem Laptop auszustatten, welcher Zugang zu mehr Wissen gestattet. Mit dem Laptop ließen sich die hohen Anschaffungskosten für Bücher durch den Einsatz von Ebooks reduzieren. Es ließen sich mehr Lerninhalte ohne die Hilfe eines Lehrers vermitteln und die Kindern würden allgemein zum Forschen angeregt. Durch die Internet und WLAN-Verbindung soll der Laptop dazu Einladen, das Internet zu entdecken und gemeinsam zu lernen.

 

 


Analyse



Die Frage ist nun, ob es allgemein gesehen wirklich sinnvoll ist zu sagen, es müssten alle Kinder in Entwicklungsländern mit Laptops ausgestattet werden oder, ob man Entwicklungsland nicht durch etwas feiner gegliedertes ersetzten muss. Das Problem wird deutlich, wenn man den Begriff "Entwicklungsland" mal genau betrachtet. Der Begriff beschreibt Länder, in denen eine Entwicklung statt findet. Leider wird er meist falsch gebraucht. Wenn wir "Entwicklungsland" sagen, meinen wir sowohl den afrikanischen Krisenstaat, in dem nicht unbedingt eine Entwicklung stattfindet als auch Länder mit stabilen politischen Systemen, die in sich in einem wirtschaftlichen Aufschwung befinden. Wenn man also "alle Kinder in Entwicklungsändern" sagt dann schließt man auch die ein, die vielleicht nicht genug zu essen haben, in unhygienischen Bretterverschlägen in Slums leben, vielleicht Waise sind weil die Eltern an AIDS gestorben sind, oder eines der vielen anderen Übel erfahren haben die tagtäglich passieren. Diese Kindern brauchen ganz bestimmt nichts weniger als einen Computer! In diesen Ländern würde Bildung auch helfen, aber um Bildung überhaupt zu ermöglichen müssen erst Umstände geschaffen werden, unter denen es Kindern möglich ist zu lernen. In anderen Ländern, in denen diese Umstände schon vorhanden sind, sieht die Situation ganz anders aus. Als Beispiel kann Brasilien, welches den Laptop kaufen wird, dienen. Hier hätten viele Kinder die Möglichkeit Schulbildung zu erlangen. Viele von ihnen können es jedoch vielleicht nur deshalb nicht, weil es nicht genug Lehrer und Schulen gibt. Durch den Laptop bekommen die Kinder die Möglichkeit, zwar unbetreut bzw. in großen Gruppen immerhin ein gewisses Maß an Bildung zu erreichen. Der indische Bildungsminister sieht sein Land noch nicht an dieser Position oder hat die Möglichkeiten, die dieser Laptop bietet, nicht erkannt. In seinem ablehnenden Brief schrieb er: "Dringender als schicke Werkzeuge brauchen wir Klassenzimmer und Lehrer". Die Länder, die voraussichtlich teilnehmen werden sind: Brasilien, Uruguay, Argentinien, Libyen, Nigerien, Ruanda und Thailand.

 

 


Meinung


Meiner Meinung nach ist dieses Projekt in machen Ländern durchaus sinnvoll. Was meiner Meinung nach jedoch bisher nicht beachtet wurde ist der Aspekt des Lehrers. In diesen Region sind PC-Kenntnisse sicherlich nicht so verbreitet wie bei uns. Man kann also nicht davon ausgehen, dass die Lehrer in den partizipierenden Ländern PC-Kenntnisse haben. Im Gegenteil, man sollte davon ausgehen, dass diese nicht vorhanden sind. Wir alle wissen wie schwer sich teilweise die Generation +50 bei der Benutzung von Computern tut. Und alle die in letzter Zeit mal eine Schule von innen gesehen haben, wissen auch wie schwer sich das deutsche Bildungssystem tut Computer in den Unterricht einzubinden. Bei meinen Recherchen zu diesem Thema wurde der Aspekt der Lehrerfortbildung mit keiner Silbe erwähnt. Ich halte es jedoch für elementar wichtig, diese Fortbildung vorzunehmen und denke, dass hier auch noch eine Menge kosten entstehen, die erstmal nicht in den symbolischen 100USD enthalten sind. Auch bei der Einstufung der Wichtigkeit von Computern bin ich nicht auf einer Linie mit Herrn Negroponte.

 

 


Fazit

Wie bei fast allem in diesem Leben gibt es es Chancen und Risiken. Die Chancen für OLPC sind riesig, aber die Risiken können die Erfolge ins Gegenteil verkehren. Generell muss man sehr genau betrachten, für welche Länder diese Laptops sinnvoll sind und für welche noch nicht. Wenn diese Laptops jedoch richtig eingesetzt werden können sie die Welt verändern. Eine Chance hat das Projekt definitiv verdient!

... Fortsetzung folgt ...

Patrick Harms, Redakteur Subnotebooks




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