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Editorial: die wahre Geschichte über den Mini-PC (Teil 1)
und warum sich Mini-PCs bis dato nicht durchgesetzt haben
von igor.c, simon.k   10.02.2007


 

In unserem Ersten Editorial "Der Versuchte Wandel zur Miniaturisierung" waren wir auf die Hintergründe vieler gescheiterten bzw. noch nicht durchbrochenen Ideen eingegangen, die die Welt der Computer miniaturisieren sollte. Dieses zweiteilige Editorial geht detailliert auf die die Geschichte der Mini-PCs und deren Eintwicklung ein, bietet eine gute Übersicht und erklährt, warum sie sich sich bis 2006 nicht wirklich durchgesetzt haben.


Thin Clients... gabs schon immer






Ganz am Anfang war die Klasse der Mini-PCs ausschließlich von Thin-Clients besetzt, die vor vielen Jahren, als PCs noch teuer waren, gang und gebe im Businessbereich waren. Ein zentraler Rechner verwaltete die Daten und die Software, am Thin Client selbst wurden nur die Programme ausgeführt, die meiste Rechneleistung kam direkt vom Server. Mit der Zeit verschwand dieses geniale Konzept vom Schreibtisch, da komplette PCs von HP, Compaq und Dell so günstig waren, dass sich ThinClients nicht mehr gelohnt hatten


Apple... der Revolutionär




Mit dem neuartigen Cube schuff Apple die erste Revolution im Bereich der Mini-PCs, der sowohl für Businesskundschaften als auch Normalanwender gedacht war. Er erschien im Jahr 2000, wurde aber bereits 2001 wegen mangelndem Absatz von gerade einmal 148.00 Stück vom Markt genommen. Der Power Mac Cube vereinte geringe Größe, eine Grundfläche von gerade mal ca. 20x20 cm, mit einem lüfterlosen Kühlkonzept und einem außergewöhnlichen Design. Das Design gewann mehrere Preise und der Mac Cube (der von Fan's auch liebevoll Apple Toaster genannt wird) ist der einzige Computer der es in das New Yorker Museum of Modern Art geschafft hat. In dem Mac Cube arbeitete ein G4 Prozessor mit 450Mhz, ein Slot-In DVD Laufwerk, bis zu 1,5 GB RAM, eine 20GB Festplatte, WLAN, sowie eine ATI Rage 128 mit 16MB. Mit dem Mac Cube war Apple eine der ersten Firmen, die einen Schritt in die Richtung miniaturisierter Rechner für Privatanwender entwickelten und auf den Markt brachten. Allerdings schien der Markt noch nicht reif für diese Art von Computer zu sein, wie die niedrigen Absatzzahlen beweisen. Jahre später sollte Apple mit seinen Mini-PC´s jedoch mehr Erfolg haben.


Apple... die zweite Revolution





Apple startete erneut eine "Revolution" mit dem Release des iMacs in der zweiten Generation, welcher im Jahr 2002 das Licht der Welt erblickte. Während der iMac der ersten Generation durch den Röhrenmonitor groß und klobig war, wurde beim iMac der zweiten Generation ein TFT verwendet. Zuerst war geplant den Rechner mit im Gehäuse des TFT´s unterzubringen, doch aus technischen Gründen ließ man von dieser Idee ab und verbaute den Rechner selbst in einer Halbkugel, welche den Sockel des TFT´s darstellt. In dieser kleinen Halbkugel (die nicht viel größer als der Mac Mini ist) wurde die ganze Technik des Rechners untergebracht, der zudem für damalige Verhältnisse auch noch gut ausgestattet war: G4 Prozessor mit einer Taktrate zwischen 700Mhz und 1,25Ghz. Die Größe des TFT-Displays reichte von 15" bis zu 20". Auch der iMac wurde Kult, was den immer noch sehr hohen Wiederverkaufswert erklärt.


Shutte, AOpen, Biostar, Gigabyte, MSI... die nicht untergegangenen Experimentierer






Erst auf der CeBIT 2004 wurden Mini-Barebones so richtig der Öffentlichkeit präsentiert. Es waren vollwertige Computer, die allerdings auf einen wesentlichen Teil verzichteten, der sonst in anderen PC's den größten Platz einnimmt... Luft. "Klein aber trotzdem leistungsstark, optimiert und trotzdem erweiterbar!", Eigenschaften, die dieser neuen Geräteklasse den Durchbruch verschaffen sollten. Eigentlich handelte es sich dabei ja nicht um eine neue Erfindung, sondern viel mehr um eine für die Windows-Welt veränderte Idee, die Apple viele Jahre zuvor mit dem Cube aufgegriffen hatte. Allerdings wollte diese Idee sich auch nicht wirklich durchsetzen.

Ich glaube, Anfangs waren es mindestens 15 Anbieter. Bereits ein Jahr später waren die meisten schon wieder ausgestiegen. Heute gibt es nur noch fünf Hersteller, von denen sich zwei verstärkt abwenden (Gigabyte, MSI) und zwei weitere (AOpen, Biostar) einen nicht zunehmenden sondern eher schrumpfenden Martk bemängeln. Nur der Marktführer Shuttle behauptet "Alles sei Gut". Der Mini-Barebone hat viele Opfer gekostet: Abit, Acorp, Asus, Cyang Fun, ECS Elitegroup, Epox, FIC, Iwill, Jetway, SkyHawk, Soltek. Einige davon waren danach pleite und mussten sich aus der IT-Welt komplett zurückziehen.


Apple... die dritte Revolution




Das Konzept eines Mini-PCs wollte Apple wohl nie aufgeben. Er sollte noch kleiner als bisherige Lösungen sein und der erste wahre und weltweit bekannte Mini-PC werden. 2005 präsentierte Apple seinen MacMini mit PowerPC G4 Prozessor, wodurch man Apple durchwegs als Pionier bezeichnen könnte. De Facto war es wirklich der erste Mini-PC, der dem normalen Endkunden zugänglich war. Er war zwar mit seinem 1,2 - 1,4 GHz Prozessor nicht wahnsinnig schnell, doch für Office Arbeiten rechte er völlig aus. Eine 3D Beschleunigung (ATI Radeon) war auch integriert. Apple konnte durch den MacMini im PC Sektor deutlich zunehmen und eher bisher mangelnde Verkaufszahlen wieder ausgleichen.


SaintSong... smallest PC on World






Die Asiaten waren schon immer verrückt. Neben vielen miniaturisierten Versuchen anderer Hersteller fiel uns auf der CeBIT besonders SaintSong auf, weil deren Slogan "Smallest PC on World" uns begeisterte. Das kleine Ding war wirklich klein, auch wenn etwas laut. Der 3 GHz Pentium 4 musste auch irgendwie gekühlt werden. Allerdings ist SaintSong seitdem verschwunden, gehört haben wir auch nichts mehr. Und nach Europa hatte es dieser Hersteller auch nie geschafft, obwohl mehrere Firmen den Import angeboten hatten. Immerhin in Asien soll er gut verkauft worden sein. Noch heute sind auf der Webseite von SaintSong nur noch die alten Modelle gelistet.


Asus... mit Pundit schon ewig am Markt






Bereits mit dem Aufschwung von Mini-ITX Mainboards gab es den Pundit, auch weil er damals oft mit Via Epia Mainboards ausgestattet wurde. Doch der Pundit geriet manchmal wegen mangelnder Verarbeitungsqualität in Verruf, zudem fristete er eher ein Schattendarsein beim Hersteller Asus. Seitdem hat sich an der Positionierung nichts getan, doch mit erstaunen mussten wir immer wieder feststellen, dass der Pundit weiterentwickelt wurde. Zwar meist nur gering am Aussehen und mehr an der inneren Technik, aber immerhin. Irgendwie scheint sich Asus nicht wirklich zu bemühen, den Pundit besser zu Vermarkten. Vielleicht sind wir durch einen Test bei MiniTechNet, dies in Zukunft zu verändern, auch wenn der Pundit nicht so Mini ist, wie wir uns das wünschen würden.


Dell... nicht bekannte Optiplex SFF (SmallFormFactor) PCs





Genauso untergegangen sind die Mini-PC´s von Dell, weil sie eher als Businessprodukt nur für Großkunden positioniert werden. Dabei sind Mini-PCs bzw. kleine Computer in so ziemlich allen Sparten bei Dell vertreten, ob nun als Dimension für die Unterhaltung, als Optiplex für Unternehmen oder gar als XPS Spiele-Computer... Würden diese Modelle mehr beworben werden, würden sie sicherlich mehr Zuspruch finden. Auf jeden Fall bewegt sich Dell mit diesen Modellen in die richtige Richtung.


DigitalLogic... unbezahlbare MediaCenter Mini-PCs ab 6000 EUR





Teuer, sehr teuer, absolut teuer... das ist die Haupteigenschaft des Mini-PCs von DigitalLogic. Diese schweizerische Firma befindet sich wohl zu recht in diesem teuren Land, entwickelt und vertreibt hauptsächlich Embedded-Systeme mit ausgetüfteltem Kühlprinzip. Das 6000 EUR teure Gerät ist eigentlich ein MediaCenter PC, dessen Teile von Hand an der Drehbank gefertigt werden. Ausgestattet wir er mit Pentium M Lösungen. Dafür gibt es einen kleinen TFT mit Touchscreen gleich dazu. Obwohl DigitalLogic sowohl auf der CeBIT als auch auf der EmbeddedWorld Messe in Nürnberg immer wieder einen stand aufbauen, hören tut man in den Medien sonst fast gar nichts.


AMD... die 50x15 Initiative



Mit der 50x15 Initiative ist auch AMD mit den eigenen Embedded Prozessoren im Mini-PC Segment eingestiegen. Allerdings waren die Ziele für 50x15 das Einrichten von IT-Infrastrukturen für arme Länder, ähnlich wie die VIA PC1 und OLPC (One Laptop per Child) Initiative. Die dafür verwendeten Prozessoren Geode LX und NX waren Weiterentwicklungen von Technologien, die AMD durch die Übernahme der SoC Abteilungen von Cyrix und National Semiconductor erworben hatte. Allerdings wurde diese Abteilung auch wieder verkauft, obwohl AMD nun seinen Einsatz im Mini-PC Bereich durch die Entwicklung eines eigenen Formfaktors (Mini-DTX) stark verstärkt hat.


DT Research... GeodeLX Lösungen





Die Computer der Firma DTResearch fallen besonders durch ihre sehr geringe Größe auf... sie sind gerade einmal etwas größer als eine CD Hülle. Die ersten Modelle waren mit AMD Geode ausgestattet und waren das erste kommerzielle Produkt aus AMDs 50x15 Initiative. Die neuen Modelle sind nun mit VIA Eden V4Prozessoren, weil AMD den Geode nicht mehr weiterentwickelt. Allerdings haben die Mini-PC's von DT Research kein eigenes Laufwerk. Das Betriebssystem muss entweder über Netzwerk oder mittels eines externes Laufwerkes installiert werden, das mindestens genauso groß ist wie der Computer selbst. Der Vorteil ist aber, dass man so kleine und lautlose Arbeitssysteme erstellen kann, die zudem noch bei weitem sparsamer sind (unter 10W Stromverbrauch) als ein herkömmlicher Desktop Rechner.


Gigabyte... veraltetes Design




Auch Gigabyte hat ein paar Mini-PC's im Angebot. Vom Design her könnte man denken, Gigabyte habe von der Playstation2 abgeschaut. Leistungsmäßig sind die Mini-PCs von Gigabyte gar nicht so schlecht, angefangen bei einem VIA C3 mit 800Mhz reicht das Sortiment bis zu einem Intel P4 mit 2,4 GHz. Allerdings dürfte der P4 viel Strom verbrauchen, was für Mini-PC´s nicht gerade von Vorteil ist. Zudem ist die Technik mehr als veraltet.

Gigabyte müsste nur den Vertrieb in Europa für dieses Produkt auf die Reihe kriegen... und gleich dazu ein für europäische Verhältnisse besseres Design entwickeln.



Ist das alles? Und die Zukunft?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Markt noch nicht so weit ist, da die mehrzahl der verkauften PCs immer noch normale und günstige Desktop Rechner sind... Zudem muss man sagen, dass die Anstrengungen der Hersteller besonders im Bereich des Marketings, aber auch des Produktplacements und der Verarbeitungsqualität nicht immer gut war. Als einziger Pionier gilt hier Apple... auch wer Apple nicht mag muss zugeben, dass diese Firma Innovation liebt, Innovation nicht scheut und auch riskiert, für Innovationen pleite zu gehen. Mit dem Apple Cube, iMac und Mac-Mini wurden die ersten wirklich nennenswerten Steine für diese neue Branche gelegt. Apple war auch der einzige Hersteller, der sich bemüht hat, die eigenen Produkte publik zu machen.

Trotzdem, die Vergangenheit war bisher nicht so rosig... aber die Zukunft kommt bald, und im kommenden Editorial werden wir sehen wie Mini(TechNet) diese sein wird.. Kurz vorab: die Zukunft des Mini-PCs begann 2006, als zwei schlaue Hersteller zusammen mit Intel etwas ganz interessantes entwickelt haben und somit den Anstoß auch an andere Hersteller weitergegeben haben. [...Fortsetzung folgt]

 

Igor Campana, Chefredakteur

Simon Kohlstock, Leitender Redakteur Mini-PCs




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